Christliche Glaubensspaltungen

Textauszug aus dem Programmheft zum Eröffnungskonzert der Mendelssohntage Aarau, Do, 2. November 2017

Autoren:  Hans-Urs Wili, Aarberg BE / Ulrich Graf, Rombach AG

Wechselvolle Geschichte

Kämpfe um Rechtgläubigkeit und Glaubensspaltungen prägen die Geschichte des Christentums nicht weniger als jene anderer Religionen. Noch in der Antike wurden neben vielen anderen Arianismus (325 nC), Nestorianismus (431 nC) und Monophysitismus (451 nC) verworfen und aus der Reichskirche ausgestossen. 1054 exkommunizierten orthodoxe Kirchen und Katholiken einander wechselseitig. Ab 1184 wurde die Armenbewegung von PETRUS WALDES in den Untergrund abgedrängt und blutig verfolgt. JOHN WlCLlF (1370 nC) in England und JAN HUS in Tschechien (1415 nC) vertraten bereits die Kernbotschaften MARTIN LUTHERS von 1517: Vorrang für die Bibel und den Glauben.

Wieso also gerade 2017 ein Jubiläum zu 500 Jahre Reformation?

Der Unterschied zwischen LUTHER und seinen Vorläufern bestand in der Breitenwirkung. Die Gründe dafür sind kirchenpolitischer, technischer, geographischer und ökonomischer Natur.

a. WICLlFS Kritik wurde entschärft, als sich die römische Kirche während des 100-jährigen Krieges zwischen England und Frankreich unter lnkaufnahme eines Papstschismas der Umklammerung Frankreichs entwand. Das Konzil von Konstanz behob dann nicht nur das Schisma, sondern verbrannte wortbrüchig auch HUS. Weder das ferne England noch das ökonomisch wenig bedeutende Böhmen konnten der Papstkirche im breiten Analphabetismus des zersplitterten Kontinentaleuropa propagandistisch standhalten.

b. Mit der Erfindung des Buchdrucks durch JOHANNES GUTENBERG sollte sich dies ab 1450 ändern. Nun konnte die römische Kirche missliebige Schriften nicht mehr so leicht konfiszieren.

c. Ökonomisch wurde für den Erfolg von LUTHERS Protestantismus entscheidend, dass erim reichen Sachsen wirkte, dessen Kurfürsten durch den Silberabbau im Erzgebirge finanziell allen anderen Fürsten überlegen und weder wirtschaftlich noch militärisch auszuschalten waren.

d. Dies hatte Konsequenzen: Die Verbreitung der Schriften LUTHERS und die Machtlosigkeit von Kaiser und Papst gegen den sächsischen Alleingang wurde Beispiel. Diesmal fand die Reformation Nachahmer. Sie vervielfältigte sich:

Reformation brachte Glaubensauffächerung

1. ln der deutschsprachigen Schweiz entstand unter HULDRYCH ZWINGLI ab 1523 in Zürich mit der evangelisch-reformierten Kirche eine deutlich radikalere Variante.

2. Ausgehend vom Wirkungsort von JEAN CALVIN im französischsprachigen Genf ab 1536 entwickelte sich in Frankreich und den Niederlanden eine weitere Variante im Calvinismus. Der Meereszugang dieser Seefahrernationen garantierte auch eine Verbreitung des Calvinismus über den Erdkreis.

3· Durch politische Ränkespiele gegenüber dem deutschen Kaiser und dem französischen König weiter geschwächt, glaubte Papst KLEMENS VII., dem englischen König  HEINRICH VIII. Scheidung und Wiederverheiratung zur Sicherung der männlichen Thronnachfolge verbieten zu können. So wurde als weitere Kirchenspaltung die Loslösung der englischen Kirche von Rom eingeleitet (Anglikanismus ab 1534). Als Seefahrernation hatte auch England das Potential zu weltweiter Verbreitung seiner neuen Konfession.

Der Begriff «Reformation» kann zur falschen Annahme einer einheitlichen Bewegung verleiten. Das Gegenteil ist der Fall: Das Zeitalter der Reformation brachte Glaubensauffächerungen jeder Art. Die Wirkung römischer Inquisition hatte ausgedient. Freilich waren auch die neuen Bekenntnisse alles andere denn tolerant: Blutig bekämpften sie einander auch wechselseitig. So konnten beispielsweise Christen puritanischer Observanz ab 1620 (Mayflower) nur durch Auswanderung in die nachmaligen Vereinigten Staaten anglikanisch staatskirchlicher Verfolgung entgehen. Dennoch wurden die Glaubensauffächerungen der Reformationszeit entscheidend für die Glaubensfreiheit in den Vereinigten Staaten.

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