Freitag, 3. April, 10 Uhr, Christuskirche – «Da Jesus an dem Kreuze stund, und ihm sein Leichnam war verwundt sogar mit bittern Schmerzen, die sieben Worte, die Jesus sprach, betracht in deinem Herzen.» So rät der Hebraist Johann Böschenstein in seinem Kirchenlied aus dem frühen 16. Jahrhundert. Der Choral greift eine alte Karfreitagstradition der Kirche auf: die Betrachtung der «sieben letzten Worte Jesu».

Diese Tradition geht auf Aussagen zurück, die Jesus in den Evangelien vor seinem Tod macht. Bei Lukas betet er: «Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!» Im Lukasevangelium ermutigt er einen Mitgekreuzigten: «Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.» Bei Johannes wendet er sich an die Mutter und seinen Lieblingsjünger, die bei seinem Kreuz stehen und begründet neue Beziehungsverhältnisse: «Frau, siehe, dein Sohn! (…) Siehe, deine Mutter!» Bei Matthäus zitiert er schreiend Psalm 22: «Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?» Wiederum bei Johannes bemerkt Jesus: «Mich dürstet!», und «Es ist vollbracht!» Das letzte der sieben Worte von Jesus findet sich wieder im Lukasevangelium und lautet: «Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist.»

Welches der sieben Worte ist Ihnen gegenwärtig am wichtigsten? Am diesjährigem Karfreitagsgottesdienst, der musikalisch – unter der Leitung von Matthias Heep – von der Kantorei begleitet wird, steht das erste Wort der sieben im Mittelpunkt. «Vergib ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!» Das passt in unsere Zeit, in welcher Mächtige Entscheidungen treffen, die bei uns Stirnrunzeln, Sorgen und Ängste auslösen. Wir wollen uns davon nicht klein kriegen lassen, sondern auf Jesus schauen und uns vergegenwärtigen, woher uns in unsicheren Zeiten Hilfe entgegenkommt. Zum aufbauenden Karfreitagsgottesdienst sind Sie herzlich eingeladen.

Claude Bitterli